Literatur / Katalog Termine Galerien
Ausstellungen Presse Links
 
 


Ulrich
Barnickel


Rainer
Henze

Thomas
Radeloff

(aus: Thüringer Allgemeine Zeitung, 25.07.2009)


Ein Bericht aus:
ARTPROFIL – Magazin für Kunst, Heft 4/2008,
© SYNTAX. Medienproduktion + Verlag GmbH, 68219 Mannheim, Deutschland,
www.artprofil-kunstmagazin.com,
E-Mail: redaktion@artprofil-kunstmagazin.com,
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.



Gedankenreichtum in Metall

von Hans-Erdmann Gringer

Merseburg/MZ – Spannung zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion und das Wechselbad
zwischen Statik und Dynamik vermittelt die neue Ausstellung "Figuren aus Metall" , die am Dienstagabend im Kunsthaus "Tiefer Keller" in Merseburg im Beisein von rund 150 interessierten Kunstfreunden feierlich eröffnet wurde. Was vom Titel eher nüchtern daherkommt, überrascht durch große Ausdrucks- und Symbolkraft, Vielgestaltigkeit und Originalität. Verteilt über Galerie, Terrasse und vier Tonnengewölbe im Keller werden insgesamt 86 Installationen, Skulpturen, Objekte von sechs Künstlern (Ulrich Barnickel, Rainer Henze, Peter Luban, Thomas Radeloff, Klaus-Dieter Urban und Cornelia Weihe) präsentiert, die ihre Sozialisation allesamt in Ostdeutschland und ihre Ausbildung an der Burg in Halle erlebt haben.

Und die Schau hat schon eine kleine Rundreise quer durch Deutschland hinter sich. Nach München, Meiningen, Kleinsassen/Fulda und Celle ist nun am 29. September Merseburg Station. Danach wandert die Präsentation nach Bamberg, weitere Orte wie Gera und Erfurt sollen noch folgen. "Wir wollen mit den Werken etwas erzählen, was überdauert. Und wir wollen durch die Spuren der Arbeit an dem Material Emotionen wecken und sichtbar machen", sagt Ulrich Barnickel. Für den Betrachter ist es erstaunlich, wieviele Facetten im künstlerischen Umgang mit dem scheinbar spröden Metall, von Aluminium bis Stahl, erkennbar werden. Jeder der Künstler hat eine eigene Handschrift, die in den unterschiedlichen Sichtweisen und im differenzierten Herangehen der gestalterischen Ideen deutlich werden. Einige experimentieren mit Emaille, Textilien, Folien und Holz. Die symbolträchtigen Werke von Rainer Henze, gebürtiger Leipziger, etwa zeigen dabei eine Leichtigkeit, die angesichts des Materials überrascht und die Schwere des Metalls vergessen lässt. Ulrich Barnickels "Goethe und Amalia" (Bronze) nimmt man jedes derzeit noch akademisch diskutierte Liebesverhältnis sofort ab, und Peter Lubans "Torso" vereint verblüffende körperliche Innen- und Außenansichten. Thomas Radeloff, der die Zahl drei offenbar magische Bedeutung beimisst, variiert sie immer wieder, zeigt etwa "Kopfstück Fühler" den Menschen mit drei Sensoren, die wie Tentakel in den Himmel wachsen. Klaus-Dieter Urban aus Merseburg nimmt für sich in Anspruch, in seinen Arbeiten bewusst modische Tendenzen außer Acht zu lassen. Er setze in seinen künstlerischen Arbeiten das um, was er für richtig oder wichtig halte, hebt er hervor. Und dies sind immer wieder Grundthemen des menschlichen Seins: Gefühle in allen Facetten existenzielle Bedrohungen, die zu Entscheidungen zwingen. Wenn etwa das "Narrenschiff" versucht, mit unterschiedlichen Charakteren durch alle Unbill zu steuern, wenn etwa der "Apologet" sich selbstverliebt reckt, während etwa in dem Zyklus "Befreie Dich von Deinem Fesseln" Hilflosigkeit und Leiden des Menschen angesichts übermächtiger Kräfte überzeugend Ausdruck finden. Der Spielraum für eigene Interpretationen ist groß, ebenso der Reiz und Fülle an Entdeckungen. Ein Besuch lohnt sich allemal.

(aus: Mitteldeutsche Zeitung, 21.08.2008)


Ausstellung „Figuren aus Metall“ in Kleinsassen eröffnet

von Klaus H. Orth

KLEINSASSEN – Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale war die einzige Studieneinrichtung für Metallplastik in der DDR. Auch der in Schlitz lebende Künstler Dr. Ulrich Barnickel zählt zu den ehemaligen Absolventen der Hallenser Institution.

Jüngst hat er sich in seiner Dissertation an der Bauhaus Universität Weimar mit den bedeutenden Leistungen der Lehranstalt auseinander gesetzt: „Die ,Metaller der Burg‘ – von der angewandten Metallkunst zur Stahlplastik“ ist seine Doktorarbeit überschrieben, in der Barnickel die Geschichte und Entwicklung der – wie er schreibt – „nicht gegossenenen anthropomorphen Metallplastik“ zwischen 1949 und 1989 nachzeichnet, die sich aus dem Kunsthandwerk heraus zur freien Plastik hin emanzipierte. In einer gestern Nachmittag in der Kunststation Kleinsassen eröffneten Gemeinschaftsausstellung, die Barnickel kuratiert hat, zeigt der Bildhauer zusammen mit fünf anderen ehemaligen „Metaller“-Absolventen der Burg Giebichenstein unterschiedliche Gestaltungsimpulse, die von der Kunsthochschule ausgingen, und macht den faszinierenden Facettenreichtum aktueller expressiver Hohl- und Metallplastik deutlich. „Figuren aus Metall“ präsentiert in den Hallen 1 und 3 sowie im Atelier Arbeiten, die in besonderem Maße von den Techniken Schmieden, Schweißen und der Montagekonstruktion geprägt sind, die in der Mehrzahl das Menschenbild in den Mittelpunkt rücken und dieses vom Standpunkt der Moderne aus hinterfragen.

Barnickels Objekte tragen nicht selten Titel, die ihren Ursprung in Mythologie und Geschichte haben, die der enormen materiellen Präsenz des Metalls Formfindungen von manchmal tänzerischer Leichtigkeit entgegensetzen. Beispiele dafür bilden „Narziss“ (2006) oder „Goethe und Amalia“ (2006). Die Bronzen sind Abgüsse geschmiedeter und geschweißter Eisenfiguren, die im Atelier des gelernten Schmieds entstanden – zwei von vielen Belegen für das fruchtbare Ineinandergreifen von Kunst und Handwerk und Ausweise für die enorme Schöpferpotenz des Bildhauers.

Rainer Henze (Halle) schneidet aus Metall Figuren, kombiniert sie hier als Gruppe in einem Edelstahlkasten oder stellt sie dort als Einzelfiguren auf einen metallenen Wagen – beziehungsreiche Momente zwischen Dynamik und Statik, die eindringlich auf den Betrachter wirken.

Peter Luban (Plauen) richtet den Schwerpunkt seines Schaffens auf die Emailgestaltung und das direkte figürlich-plastische Gestalten ins Material. Aus Stahl getrieben und emailliert hat er seine „Dame mit Rock“ (2007). Andere figurative Stahlarbeiten – teilweise emailliert und vergoldet – erscheinen archetypisch, erinnern an Relikte längst untergegangener prähistorischer Kulturen.

Das Spannungsfeld menschlicher Technologie und Natur thematisiert Thomas Radeloff (Katzow) in seiner Serie „Kopfstücke“. Dabei verarbeitet er Stahl und Holz, führt sie in seinen Stahl- und Edelstahl-Objekten zusammen. Exponate, die als virtuoser Balanceakt zwischen Figuration und Abstraktion erscheinen – mal sanft ruhend, mal leicht schwingend.

Zeitlos erhaben wirken die Exponate von Klaus Dieter Urban (Merseburg). Feine, filigrane Figuren aus Eisen – gebrannt, geschmiedet, geschweißt, verformt und in Beziehung zueinander gestellt – werfen wie „Aufstieg – Abstieg“ (2005) existenzielle Fragen auf.

Cornelia Weihes (Halle) gedrungene „Schattenfiguren“ (2005), aus Stahl herausgeschnitten, stehen im Kontrast zu ihren lichten, aus Stahl-Stäben geschaffenen Köpfen und filigranen Körpern. Sie erfüllen den Raum mit Poesie. Ebenso die Bilder Weihes, die wie ihre Kollegen mit malerischen und grafischen Arbeiten vertreten ist, die mit dem jeweiligen bildhauerischen Werk korrespondieren.

(aus: Fuldaer Zeitung, 21.04.2008,
http://www.fuldaerzeitung.de/newsroom/kultur/dezentral/kultur/art6155,576359)


Sechs Künstler von Burg Giebichenstein auf Deutschland-Tournee — Metallplastiken loten die Masse des Raumes aus

von Thede Wilts

Noch bis Ende November wandert die Ausstellung „Figuren aus Metall – Metallfiguren“ durch sechs deutsche Städte. Sie war bereits in Galerien in München und Meinigen zu sehen. Die Werkschau widmet sich mit Arbeitsbeispielen von sechs Künstlern der Geschichte und Entwicklung der figurativen Metallplastik an der Burg Giebichenstein in Halle. Zugleich wird die Metallkunst in der DDR zwischen 1949 bis 1989 in einen internationalen Kontext gestellt.

Die Wanderausstellung präsentiert figurative Arbeiten von Thomas Radeloff aus Katzow, Rainer Henze und Cornelia Weihe aus Halle, Klaus Dieter Urban aus Merseburg, Peter Luban aus Plauen sowie vom Ausstellungsmacher selbst, Dr. Ulrich Barnickel aus Schlitz. Alle sechs sind Vertreter der so genannten „zweiten Generation“, die ihre Ausbildung an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale absolviert haben.
„Wer sich heute der Figur zuwendet, wird und will nichts mehr mit dem klassischen Abbild zu tun haben“, sagt Barnickel als Vertreter dieser Metallbildhauer. Zunächst hätten alle Metallbildhauer auf der „Burg“ – der einzigen Studieneinrichtung für Metallplastik im Osten – während des Studiums beziehungsweise aus der Tradition heraus und in der Suche nach eigener Erkenntnis und eigener Identität noch figürlich gearbeitet. Bis 1989 kam es nach Barnickels Worten dann „zu unterschiedlichen materialbestimmten Abstraktionen mit Einfluss des jeweiligen Materialwiderstandes.“
Die Künstler hätten ihre eigenständige Formensprache über das Material, Dünn- oder Starkblech, und über die verfügbaren Arbeitstechniken wie Schmieden, Schweiß- oder Montagekonstruktionen gesucht und gefunden, nicht aber über den klassischen Bronzeguss. Aus dieser speziellen Situation habe sich in der Folge eine differenzierte Abstraktion der anthropomorphen – also eine menschliche Gestalt annehmenden – Plastik mit Nähe zum menschlichen Körper und seinen Proportionen entwickelt. In der Folge seien gleichfalls auch Skulpturauffassungen entwickelt worden, die auf freien Formen basieren. Jüngste Analysen zur Bildhauerei der letzten Jahrzehnte bis zur Gegenwart ließen Werke deutscher Künstler aus dem Bereich der nicht gegossenen, anthropomorphen Metallplastik jedoch vermissen, obgleich diese bedeutende Leistungen hervorgebracht haben. Auch seien dort „weiterhin gute Ideen und Ansätze vorhanden“, sagt Barnickel, doch würde „derartige Metallplastik bislang von Architekten noch nicht nachvollzogen beziehungsweise vom Kunstbetrieb unzureichend wahrgenommen“.
Erst das vom promovierten Künstler verfasste Buch „Die ‚Metaller der Burg’ – Von der angewandten Metallkunst zur Stahlplastik“ beginnt mit der Aufarbeitung des Themas und stellt diese Art von Metallplastik in den Diskurs der Entwicklung des Skulpturbegriffes im gesamtdeutschen Kunstgeschehen. „Die Besonderheit dieser Metall- und Stahlplastiken liegt in der Offenheit in dem Sinn, dass es keine Trennung zwischen Innen und Außen gibt und der damit verbundenen Zweiansichtigkeit, die sie architektonischen Raumauffassungen annähert, sowie der Möglichkeit des verschobenen Gleichgewichtes im Bezug des Bodenpunktes zum Oberteil“, schreibt Barnickel und hält fest, dass die Metallplastik „als Blech- beziehungsweise Hohlform Ausgangspunkt für die Untersuchung des Masseverhältnisses des Raumes“ ist.
Zur Ausstellung ist ein 96-seitiger, reichbebilderter Katalog erschienen, der das Schaffensspektrum von Barnickel, Henze, Luban, Radeloff, Urban und Weihe anhand ausgewählter Objekte vorstellt. Der Katalog ist unter der Bestellnummer XXX zum Preis von XX,- Euro beim Verlag Hephaistos erhältlich (siehe auch Seite XX). Die weiteren Stationen der Ausstellung: bis 8. Juni in „Halle 1,3“ und im Atelier der Kunststation-Kleinsassen in Hofbieber-Kleinsassen bei Fulda (www.kleinsassen.de), vom 15. Juni bis 10. August in der Galerie im Haesler Haus in Celle (www.galerie-im-haesler-haus.de), 19. August bis 29. September im Kunsthaus Tiefer Keller in Merseburg (www.tieferkeller.de), und 1. Oktober bis 30. November in der Galerie Sculptur in Bamberg (www.galerie-sculptur.de).

(aus: Hephaistos-Bücherdienst)


Sechse kommen um die ganze Welt — Eine Schau der Metallkünstler von der Burg Giebichenstein macht gerade in Meiningen Station

von Wolfgang Rudloff

Mit ihren Skulpturen der letzten Schaffensjahre touren derzeit sechs bekannte Metallgestalter – Absolventen der hoch gepriesenen Hallenser Kunsthochschule Burg Giebichenstein – durch deutsche Lande. Nach München im vergangenen Herbst ist seit nun – und noch bis zum 13. April – die Galerie „ada“ in Meiningen die zweite Station. Weitere bisher vereinbarte Etappenorte sind Kleinsassen/Rhön, Celle, Merseburg und Bamberg, allesamt als Musenstädte in der Kunstwelt ein Begriff.
Für die Künstler und zugleich Initiatoren der Wanderausstellung war es wichtig, dass die Orte in den alten und neuen Bundesländern liegen, denn hier wurde an „Grenzüberschreitung“ gedacht. Zwar existiert eine Ost-West-Grenze mit Mauer und Stacheldraht nicht mehr, trotzdem ist der Prozess der Annäherung bei unterschiedlichen ästhetischen Positionen, Erfahrungen, Erlebniswelten und Mitteilungsabsichten nicht abgeschlossen.
Standpunkte werden schon in den Werktiteln der Burg-Metaller deutlich: „Integration“, „Verlassen“, „Janus“, „Torso“, „Kleiner Narr“, „Angst“ oder „Große Liegende“ deuten auf Menschgestaltiges und Befindlichkeiten hin.

Hoffen auf Dialog

Thomas Radeloff, Rainer Henze, Ulrich Barnickel, Cornelia Weihe, Peter Luban und Klaus-Dieter Urban sind erfahrene Metallgestalter der Jahrgänge 1947 bis 1959. Damit gehören sie einer Generation an, die in einer Zeit in der DDR studierten, in der ideologische Gängelung und
stilistisches Gestaltungsdedikt stark im Abklingen waren. Das individuelle Streben nach „Vielfalt und Weite“ wurde auch im westlichen Ausland registriert.
Künstlerische Informationsprozesse waren auch im Osten nicht mehr zu bremsen. Dort wusste man zum Beispiel vom Skulpturenverband Kurfürstendamm Tauentziehn, wo Frank Dornseifs „Großer Schatten mit Sockel“, Rolf Szymanskis „Große Frauen Figur Berlin“ oder Wolf Vostells „Zwei Beton-Cadillacs in Form der nackten Majas“ öffentlichkeitswirksam Aufsehen erregten.
Die Kurfürstendammer waren die gleichen Jahrgänge wie die Burg-Künstler, die die Skulptur als sozio-ästhetisches Ereignis zelebrierten, nicht ohne Traditionsbewusstsein und deutlich ablesbare Sinnhaftigkeit. So weit lag man nicht auseinander.
Wenn die sechs „Metaller der Burg“ nach ihrer erfolgreichen Präsentation in München nun die zweite Ausstellung in der Galerie „ada“ in Meiningen haben, dann geschieht das mit einem gemeinsam postulierten Anliegen, auf das erreichte Leistungsniveau und die Wandlungsfähigkeit in nunmehr fast 20 Jahren aufmerksam zu machen. Man darf annehmen und hoffen, dass die Dialogbereitschaft auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze auf verständnisvollste Weise durch gerade diese Präsentation provoziert wird. Neugierig-erwartungsvoll kann man vor allem deshalb die Skulpturen betrachten, weil es sich um nichtgegossene Metallskulpturen handelt, eine Spezies der Ausbildung an der Burg Giebichenstein.
Peter Luban aus Rößnitz bei Plauen, einer der experimentierfreudigsten Metallgestalter in Sachsen, sagt: „Die Burg Giebichenstein war die einzige künstlerische Ausbildungsstätte unter den Kunsthochschulen der DDR, die sich der nichtgegossenen Metallplastik widmete. Metall wurde geschmiedet, geformt, genietet, geschweißt, getrieben oder gebogen.“ Dabei weist er auf die Verdienste von Irmtraud Ohme hin, eine Professorin, die auf ihre Studenten betont individuell einging.
„Jeder von uns konnte sich ausprobieren. Pädagogisch klug, demokratisch, feinfühlig und zukunftsträchtig“ sei sie ans Werk gegangen, sagt der einstige Burg-Absolvent, der seit Jahren selbst junge Künstler am Beruflichen Schulzentrum „e.o.plauen“ in Plauen ausbildet.

Nähe zum Körper

Einen wichtigen, für die ausstellenden Künstler geradezu typischen Standpunkt nennt Metallgestalter Ulrich Barnickel. Man würde der „materialbestimmten Abstraktion mit Nähe zum menschlichen Körper“ den Vorzug geben, wie er in seiner Dissertation schrieb. Jeder der sechs versucht das auf seine Weise: Cornelia Weihe mit verschweißten Rundstäben, Thomas Radeloff mit großen beeindruckenden Edelstahlgebilden, Klaus-Dieter Urban mit sensiblen farbigen Reliefs und figurativen raumgreifenden Gebilden von aktuellster sozialer Sinnhaftigkeit, Peter Luban mit Edelstahltorsi, sich öffnenden Hohlkörperformen mit farbigen Emaileffekten oder Rainer Henze mit seinen betont durch die Farbe wirkenden figurativen Kreationen, denen man an unterschiedlichsten Orten immer in neuen Variationen begegnen kann.
Nicht nur die unterschiedlichen plastischen Formfindungen, sondern auch die Beherrschung der veredelnden Oberflächentechniken dieser „Metaller der Burg“ dürften auf ein breites Interesse in der Theaterstadt Meiningen stoßen. Die Idee einer Wanderausstellung an sich und die konzeptionelle Umsetzung könnte auch Vorbildwirkung für andere künstlerische Genres haben, möglicherweise in dieser Zusammenstellung in verschiedenen Städten ihr Publikum finden.

(aus: Freies Wort – Thüringen, 25.02.2008)


Das Bekenntnis zum Figürlichen

von Wolfgang Rudloff

PLAUEN – „In der Bildhauerei gibt es keine Regeln“, sagte der amerikanische Bildhauer David Smith, dessen Experimentierfreude durch den Umgang mit unterschiedlichsten Materialien – darunter auch Metallen – seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Interesse erregte. Smith hatte in der Industrie die verschiedensten Bearbeitungstechniken von Metall kennen gelernt und vermochte mit seinem Phantasiereichtum Gebilde zu kreieren, die geometrisch abstrakt oder anthropomorph in der künstlerischen Gestaltfindung Formgeschichte geschrieben haben. Die Verwendung von Farbe, farbigen Metall, rostfreiem Stahl bewirkten dabei den Eindruck von Industrienähe und Modernität. Die Biografie des amerikanischen Metallkünstlers lässt viele Ähnlichkeiten mit denen der Künstlerabsolventen des gleichen Genres an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle erkennen und ermuntert dazu, dass es an der Zeit ist, gerade diese Metallkünstler mehr als bisher ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu rücken.
Bis zum 30. November 2008 werden deshalb Werke von Dr. Ulrich Barnickel, Cornelia Weihe, Peter Luban, Rainer Henze, Thomas Radeloff und Klaus-Dieter Urban in renommierten Galerien der Städte Meiningen, Kleinsassen (Röhn), Celle, Merseburg und Bamberg gezeigt. Die sechs „Metaller der Burg“ verabredeten sich, um im Mai dieses Jahres in Halle, ihrem einstigen Studienort, einen detaillierten Plan zu schmieden, durch dessen öffentlichkeitswirksame Realisierung rückblickend auf die Bedeutung des Fachbereichs Metall und Email aufmerksam zu machen.
Plastik war in der Geschichte der Kunst stets mehr als bei anderen künstlerischen Genres eine Sache für die Öffentlichkeit, möglicherweise für die „Ewigkeit“ nach altrömischer Vorstellung. Als groß, bedeutend, nachhaltig wirksam kann eine solche Kunst nur gewertet werden, wenn sich das Formale in Beziehung zu den Veränderungen der menschlichen Kultur in einer ganz bestimmten historischen Situation entwickeln kann und zu reifen vermag.
Nach dem Besonderen gerade dieses Fachbereichs Metall und Email an der Burg gefragt, antwortet Peter Luban aus Rößnitz, ein Absolvent der Burg: „Burg Giebichenstein war die einzige künstlerische Ausbildungsstätte unter den Kunsthochschulen der DDR, die sich der nicht gegossenen Metallplastik widmete. Metall wurde geschmiedet, geformt, genietet, geschweißt, getrieben oder gebogen. Ohme-Schüler fühlten sich der Figur verpflichtet, hatten vom dritten bis zum fünften Studienjahr stets – jeder einzeln für sich – ihren ,persönlichen Fahrplan’. Jeder von uns konnte sich ausprobieren. Pädagogisch klug, demokratisch, feinfühlig und zukunftsträchtig beherrschte Frau Professor Ohme jene Strategie und Taktik, dass im künstlerisch-kreativen Bereich ästhetische Erfahrung wachsen kann und zum Einsatz kam.“
Einige der Absolventen verweisen immer wieder auf den Wert ihrer artspezifischen beruflichen Tätigkeit in einem Metallberuf: Peter Luban als Schlosser, Klaus-Dieter Urban als Blechschmied oder Ulrich Barnickel als Schmied.
Dr. Ulrich Barnickel hat in seiner Dissertation über die „Metaller der Burg“ auf die überzeugenden Vorteile der handwerklich orientierten Ausbildung und der ästhetischen Grundpositionen im Fachbereich Metall/Email aufmerksam gemacht, die keineswegs einem unvertretbaren Traditionalismus verhaftet waren.
Die Wanderausstellung durch viele deutsche Städte Deutschlands bietet künstlerisch Überzeugendes. Die Arbeit „Haben wir uns nichts mehr zu sagen?“ (Kupfer getrieben, farbig bemalt) von Klaus-Dieter Urban oder die Skulptur „Integration“ (Edelstahl) von Ulrich Barnickel dokumentieren durchaus, wie man mit einer modernen Formensprache aktuelle Lebensfragen auf emotionale Weise anschneiden kann und den Betrachter zu animieren vermag. Barnickel plädiert für eine „materialbestimmte Abstraktion mit Nähe zum menschlichen Körper“.
Thomas Radeloff wählt zum Beispiel große Edelstahlgebilde, die er in seinem Skulpturenpark ausstellt. Aller sechs Wochen ist dort Wechsel.
Cornelia Weihe gestaltet silhouettenhaft rätselhafte „Schattenfiguren“ oder biegt und verschweißt Rundstäbe, sodass Figürliches mit zeichnerisch anmutenden Effekten entsteht.
Peter Luban wählt mit Vorliebe getriebene und emaillierte Formen, Köpfe unter Verwendung von Anregungen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen oder Torsi in charakteristischer Hohlkörperform.
Man hört seine große Leidenschaft heraus, wenn Ulrich Barnickel die Burg-Absolventen und ihre handwerklichen Fertigkeiten deshalb preist, weil dadurch der Dialog mit dem Rezipienten und die Identitätsfähigkeit besser funktioniere. Bei tiefgründigem Nachlesen in seiner Dissertation stößt man auf Begründungen, die nicht ideologischen Ursprungs sind, sondern sich auf psychologische Erfahrungen gründen: „Menschliches Denken ist anthropomorph, denn der Betrachter ist geprägt durch eigene körperliche und emotionale Erfahrung.“

(aus: Vogtland-Anzeiger, 26.01.2008)


Metallplastiker auf Ausstellungstour

von Steffen Bandt

HALLE/RÖSSNITZ – Sechs ehemalige Studenten des Studiengangs Metallplastik an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale sind seit gestern auf großer Ausstellungstournee. Unter ihnen auch Peter Luban aus Rößnitz, der im Vogtland unter anderem durch die Schaffung des neuen Klostermarktbrunnens in Plauen bekannt ist. Ab heute und bis 6. Oktober sind die Werke Lubans und seiner Kollegen in der Galerie Wimmer in München zu besichtigen. Bis Ende November 2008 folgen Ausstellungen in Meiningen, Kleinsassen/Rhön, Celle, Merseburg und Bamberg. 2009 und 2010 sollen unter anderem Coburg, Leipzig, Chemnitz und Berlin die nächsten Städte der Tour werden. Möglich ist auch, dass sich die Ausstellung in Österreich und der Schweiz präsentiert. Neben Luban sind Ulrich Barnickel aus Schlitz/Fulda, Rainer Henze (Halle), Thomas Radeloff (Katzow/Greifswald), Klaus Urban (Merseburg) und Cornelia Weihe (Halle) mit im Boot. "Die Initialzündung lieferte Ulrich Barnickel mit seiner Doktorarbeit an der Bauhaus-Uni in Weimar", weiß Peter Luban zu berichten. "Diese Arbeit erforscht und beschreibt zum einem die Entwicklung der Metallplastik im Allgemeinen und die der Burg Giebichenstein im Besonderen. Die Publikation stellt eine wichtige Aufarbeitung des Genres dar und gibt einen wichtigen Überblick über die Entwicklungsgeschichte von den Anfängen der Metallkunst bis heute."
Die Burg Giebichenstein bot als einzige Kunsthochschule der DDR den Studiengang Metallplastik/Emailgestaltung an. Ziel der Ausstellungen ist es, die genannte Thematik ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen, Tendenzen der Skulptur als einen wichtigen Beitrag deutsch-deutscher Kulturgeschichte aufzuzeigen – und – natürlich wollen die beteiligten Künstler auf diesem Weg auch ihre Werke bekannter machen.
"Die hier gezeigte Auswahl der Werke soll den Blick auf aktuelle Tendenzen figurativer Plastik und auf die vielfältigen Möglichkeiten der Gestaltung nicht gegossener Metallplastik lenken", sagt Dr. Ingrid Maut von der Uni Erfurt.

(aus: Vogtland-Anzeiger, 07.09.2007)


Peter
Luban


Klaus
Urban

Cornelia
Weihe